Universität Kassel will studentische Veranstaltung verbieten!

Kassel. 02.12.2016: Am 06.12.2016 soll in den Räumen der Universität Kassel eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „DITIB – Die Marionetten Erdogans?“ stattfinden. Die Universitätsleitung möchte diese Veranstaltung kurzfristig absagen, unter dem Vorwand, dass kein direkter Bezug zur Hochschule bestehen würde. Veranstaltungen zu ähnlichen Themen waren bisher noch nicht durch solche Verbote betroffen. Der allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Kassel tritt als Unterstützer der Veranstaltung auf.

Initiator der Veranstaltung ist die Hochschulgruppe der Studierenden aus Kurdistan. Die Veranstaltung soll eine kritische Auseinandersetzung mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (kurz DITIB) sein. DITIB wird vom staatlichen Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei (kurz Diyanet) finanziert und steht seit einiger Zeit parteiübergreifend und bundesweit in der Kritik. Die Moscheengemeinde Melsungen hatte auf ihrer Homepage antisemitische Witze verbreitet. Der Kasseler Imam Ögrünc hatte auf einer Veranstaltung in Kassel den Märtyrertod verherrlicht. Bezug zur Universität in Kassel hat DITIB auch durch ihr Stipendienprogramm. Jan Schuster, Referent für Öffentlichkeit im AStA meint dazu: „Die Universität muss ihren Studierenden Räume für ihre eigene politische Handlungsfähigkeit bieten! Es ist uns ein Rätsel wie die Universität keinen Bezug zu ihr sehen kann. Es gibt deutliche inhaltliche Überschneidungen zu regulären Veranstaltungen.“

Der AStA hat laut Hessischem Hochschulgesetz die Aufgabe politische Bildung und das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein der Studierenden zu fördern. (§ 77 HHG)  „Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst und haben bereits in der Vergangenheit die unterschiedlichsten studentischen Gruppen bei der Organisation von Veranstaltungen unterstützt. Dabei folgen wir dem Grundsatz, dass die Veranstaltungen die wir unterstützen einen studentischen Bezug aufweisen und frei von rassistischen, sexistischen, chauvinistischen und sonstigen Formen von Diskriminierung sein müssen “ So Chris Bauer, Vorsitzender des AStA.

Bisher gab es noch keine Einschränkungsversuche durch die Universität. Der stellvertretende Vorsitzende des AStA, Mark Bienkowski, meint daher: „Der Verdacht liegt nahe, dass die Universität aufgrund von externen Druck handelt. Der DITIB hatte im Vorfeld bereits den AStA  per Mail aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Dem verweigern wir uns klar zugunsten eines offenen Meinungsaustausches unter Studierenden!“ So soll DITIB bereits an Universitäten in Frankfurt und Bremen versucht haben Druck auf AStA und Uni-Verwaltung auszuüben, um die Absage von Veranstaltungen zu erzwingen.

Der fade Beigeschmack manifestiert sich in Anbetracht der aktuellen Lage in der Türkei, wo derzeit zahlreiche Medienorgane sowie jedwede oppositionelle Bestrebungen unter staatlichem Druck bekämpft,  und mundtot gemacht werden sollen.

Gezeichnet:

AStA der Universität Kassel

Jan Schuster

Referent für Öffentlichkeit

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Quellen:

 

https://www.welt.de/politik/deutschland/article149205946/Ditib-Gemeinde-stellt-antisemitische-Hetze-ins-Netz.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/islamverband-verraeter-unerwuenscht-1.3101676