Hessenweites Semesterticket

Seit mehreren Jahren steht ein Angebot für ein Hessenweites Semesterticket von Seiten des RheinMain Verkehrsverbundes (RMV) im Raum. Dieser verlangt einen Aufpreis von knapp 70€ pro Semester. Wenn man das Angebot annähme, würde das bedeuten, dass jede und jeder 140€ im Jahr zusätzlich in das Studium investieren müsste. Aus unserer Sicht (AStA) ist das nicht sozial verträglich, da es schlichtweg einigen Menschen das Studium verbauen würde (siehe Sozialerhebung des Studierendenwerks: an der Universität Kassel haben bereits jetzt 20% der Studierenden Probleme mit der Finanzierung ihres Studiums).
Man müsste bei einem solchen Aufpreis das Solidarmodell aufgeben, also von der Idee absehen, dass alle den gleichen Betrag bezahlen, unabhängig von der Nutzung, um allen alle wichtigen Wege bzgl. des Studiums zu ermöglichen (Inklusion, Solidarität…). Dies will aber selbst der RMV nicht, da er momentan mit einer minimal variablen Summe pro Semester rechnen kann (mal ein paar mehr, mal etwas weniger Eingeschriebene). Das könnte er bei verschiedenen, optionalen Tickets nicht mehr. Außerdem ist das für den Vertrieb sehr aufwendig, immer weitere Tickets zu implementieren. Wer sich in südlichere Gefilde Hessens bewegen möchte, muss daher leider privat recht tief in die Tasche greifen. Dem entgegenzuwirken war auch eine Motivation für die Erweiterung nach Marburg.

➥ Warum haben es (vermeintlich) alle anderen ASten so viel besser?

Zunächst muss man festhalten, dass wir die einzige Uni im Gebiet des Nordhessischen VerkehrsVerbund (NVV) sind. Die Ausgangslagen unterscheiden sich, da unser Hauptverhandlungs- und -vertragspartner ein anderer ist, als der der südhessischen ASten (RMV). Man darf die Dinge nie losgelöst von diesem Kontext sehen!
Von den ASten im RMV Gebiet haben nur die Frankfurter (und Offenbacher) einen dringenden Bedarf an grundlegenden Änderungen der Preiskalkulation des RMV. In Frankfurt zahlen die Studierenden mittlerweile 213€ pro Semester allein an den RMV, also 426€ im Jahr und somit deutlich mehr als Marburg, Fulda, Darmstadt.

➥ Warum zahlen die Frankfurter (und Kasseler) Studis so viel und die anderen so wenig?

Innerhalb des RMV Gebietes selbst gibt es verschiedene Kalkulationen. Frankfurt und Offenbach liegen im Stadt-, die anderen ASten (Marburg, Wiesbaden…) im Landtarif. Das liegt daran, dass das ÖPNV-Angebot in Frankfurt und Offenbach riesig und generell alles ziemlich teuer ist. Um meinen Ansprechpartner von Seiten des RMV zu zitieren: „In Frankfurt ist alles schei*e teuer, auch für den RMV. Da müssen wir Einnahmen generieren, wenn die Studenten sich keine Einzeltickets kaufen.“
In Kassel gab es vor einigen Jahren eine Umfrage bzgl. des Fahrverhaltens der Studierenden. Da gab es laut Erzählungen meiner Vorgänger ein verhängnisvolles Missverständnis. Einige Teilnehmer*innen dachten wohl, dass eine hohe Nachfrage ein besseres Angebot schafft, bei hoher Nutzung demnach ein günstiger Preis für das Hessenweite Semesterticket veranschlagt wird. Das Problem an der Sache: Der RMV denkt und handelt wirtschaftlich (siehe Zitat), nicht solidarisch. Dass das Angebot in Folge der Umfrage entsprechend ausgefallen ist, hängt damit zusammen, dass der RMV davon ausgeht, dass bei vielen Fahrten viele Tickets verkauft werden und der Wegfall dieser Ticketverkäufe durch die Kosten des Semestertickets gedeckt werden muss.

➥ Warum verhandeln die ASten nicht gemeinsam?

Diese Frage erübrigt sich fast, wenn man die Kosten der Semestertickets vergleicht. Außer Darmstadt haben alle Südhessischen ASten ein Hessenweites Semesterticket, da sich dort keine Mehrheit dafür findet, ein paar Euro Aufpreis für das NVV Gebiet zu zahlen. Das NVV Gebiet enthält Kassel, Korbach, Frankenberg… das ist für Menschen, die am anderen Ende des Bundeslandes studieren und „kostenlos“ nach Frankfurt fahren können nicht so interessant wie für manche von uns Südhessen.
Der RMV hat bei einem gemeinsamen Treffen im Mai vorgeschlagen, dass ja alle Studierenden in Hessen 365€ im Jahr zahlen könnten für ein Hessenweites Semesterticket (immer noch ein Aufpreis von ~80€ im Jahr für uns). Das haben aber – überraschenderweise – alle ASten außer Frankfurt und Kassel kategorisch ausgeschlossen. Solidarität hört nun mal für viele da auf, wo man selbst draufzahlt. An der Stelle stellt sich allerdings die berechtigte Frage: Würde irgendeine Studierendenschaft dem Vorschlag zustimmen, deutlich mehr zu zahlen, damit andere sparen? Ein solcher Versuch scheitert nicht am AStA Kassel, da er dessen Kompetenzen räumlich überschreitet.

➥ Wo stehen wir in Kassel also?

Besser als Frankfurt und Offenbach, da man dort auf den RMV angewiesen ist und dadurch horrende Summen gezahlt werden müssen.
Schlechter als der gesamte Rest, weil das NVV Gebiet einfach nicht so reizvoll ist wie das RMV Gebiet, für welches für uns aus bereits genannten Gründen viel mehr Geld veranschlagt wird, als es der NVV für die Südhessen tut.