Zur Räumung “Unserer Villa”

Kassel, 27.06.2017: Am 19.06.2017 wurde das Projekt „Unsere Villa“ in der Mönchebergstraße 40-42 polizeilich geräumt. Das Gelände wurde am 03.06. im Anschluss an eine Demonstration gegen Gentrifizierung und für eine selbstbestimmte Stadt besetzt. Die Besetzer*innen wollten ein soziales Zentrum errichten. Die sogenannte „Villa Rühl“ bestehend aus zwei Gebäuden, stand zuletzt leer und wurde 2014 der Universität Kassel vom Land Hessen überlassen. Diese nutzt das Gelände teilweise als Lagerraum für u.a. ausrangierte Tische und Stühle.

Am 20.06.2017 fand im Anschluss an die vollstreckte Räumung durch die Polizei, seitens der Universität Kassel eine Pressekonferenz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei dieser allerdings auch Hochschulinternen der Zutritt zum Fachbereichsgebäude des Studiengangs Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung polizeilich verwehrt wurde. Sowohl Lehrende, als auch Studierende hatten weder Zugang zu ihren Lehr-, Lern- und Arbeitsräumen noch zu der Pressekonferenz, die sich mit Kultur- und Sozialraumplanung auf ihrem Campus beschäftigt.

„Das Krisenmanagement seitens der Universitätsleitung ist in dieser Angelegenheit alles andere als souverän verlaufen. Nach ersten Gesprächen verweigerte diese den tiefer gehenden Dialog mit den Besetzer*innen, um eine evtl. Duldung unter denkbaren Auflagen auszuhandeln, stattdessen wurde der direkte Weg über die Behörden gegangen und die polizeiliche Räumung -auch der eigenen Studierenden in Kauf genommen“, so Mark Bienkowski (2. Vorsitzender u. Referent für stud. Infrastruktur/Mobilität).

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), der als Exekutivorgan der verfassten Studierendenschaft für die immer wieder vom Universitätspräsidium geforderte Kommunikation zwischen Studierenden und Universität zuständig ist, wurde zu dieser Pressekonferenz nicht eingeladen oder von den dort kommunizierten Inhalten in Kenntnis gesetzt. Dieses Vorgehen ist beispielhaft für die Kommunikation zwischen Aktivist*innen von „Unsere Villa“ und der Universitätsleitung in den Tagen seit der Besetzung. Genau wie die Besetzer*innen wurde der AStA und damit die verfasste Studierendenschaft vor vollendete Tatsachen gestellt.

„Die Universität verursacht durch ihren stetigen Ausbau großflächige Verdrängungsprozesse in Kassel. Die Universität hat kommuniziert, dass sie die Anliegen der Besetzer*innen durchaus versteht und ernst nimmt. Daher ist es umso bedauerlicher, dass letztendlich so kompromisslos vorgegangen wurde“, so Chris Bauer (1. Vorsitzender).

Wir wissen den Verweis der Protester*innen auf das fehlenden unkommerziellen Freiräumen jedenfalls zu schätzen und halten das „hin- und hergeschiebe von Verantwortlichkeiten“ für verantwortungslos.

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